31. Januar 2019

Recruiting im Bewerbermarkt

Die Zeiten, in denen Unternehmen bei der Personalsuche am längeren Hebel saßen und sich aus einer Fülle qualifizierter Bewerber die besten Kandidaten herauspicken konnten, sind lange vorbei. Der Arbeitsmarkt hat sich in einer Gemengelage aus demographischem Wandel und gleichzeitig steigender Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften längst zu einem Bewerbermarkt entwickelt. Und das zeitigt Folgen im gesamten Rekrutierungsprozess, wie auch eine aktuelle repräsentative Studie belegt.

Danach zogen 36 Prozent der Kandidaten ihre Bewerbung noch während der laufenden Auswahlphase der Unternehmen zurück, nämlich:

  • 21 % nach dem Bewerbungsgespräch,
  • 13 % nach dem Erhalt einer Zusage des Arbeitgebers,
  • 2% noch bevor es zu einem Bewerbungsgespräch kam.

Hauptgründe der Rücknahme

Die wesentlichen Gründe des Sinneswandels der Kandidaten, die im Grunde bereits im engeren Kreis der Auswahl standen, waren vielfältig:

  • 38 % lag ein besser dotiertes Jobangebot vor (zur Hälfte vom alten Arbeitgeber),
  • 28 % empfanden den Auswahlprozess als zu lang oder nicht zufriedenstellend,
  • 18 % entschieden sich für eine andere Stelle, die persönlich besser zu ihnen passte und
  • 14% für eine solche, die ihren fachlichen Fähigkeiten mehr entsprach.

Ein Viertel der absagenden Kandidaten gab im Übrigen an, mit ihrer Bewerbung letztendlich nur ausgelotet zu haben, ob die ausgeschriebene Stelle ihnen mehr als ihr aktueller Job zu bieten hatte.

Das Bewerbungsgespräch

Was ein gutes Bewerbungsgespräch ausmacht? Da hatten die Befragten auch klare Vorstellungen. Danach bevorzugen:

  • 94 % ein gut strukturiertes Gespräch,
  • 74 % eine gute Gesprächsatmosphäre,
  • 68 % ein herausforderndes Gespräch,
  • 60 % fachlich gute Fragen,
  • 53 % auch persönlich gute Fragen und
  • 46 % die Vorstellung des Unternehmens.

Tatsächlich konfrontiert sahen sich die Kandidaten im Gespräch dann allerdings mit Fragen aus dem, was der durchschnittliche Ratgeber für Arbeitgeber in solchen Situationen so hergibt. Es fragten demnach:

  • 82 % Was ist Ihre größte Stärke oder Schwäche?
  • 33 % Wo sehen Sie sie sich in nächsten 3 Jahren?
  • 9 % Was denken Sie über ihren letzten Vorgesetzten?

Von den Befragten gaben über das Bewerbungsgespräch außerdem an

  • 54 % sich wie in einer Prüfungssituation befunden zu haben,
  • 36 % sich nicht umworben gefühlt zu haben

Die Zusammensetzung

Vorstellungsgespräche waren in der Regel besetzt zu

  • 77 % mit mindestens einer Person aus der Fachabteilung
  • 68 % mit mindestens einer Person aus der Personalabteilung
  • 52% mit potenziellen Vorgesetzten aus der Fachabteilung
  • 30% mit einer Person aus der Geschäftsleitung

Von denen waren allerdings nicht gut vorbereitet, sage und schreibe

  • 71 % der Vertreter der Geschäftsleitungen
  • 60 % der Vertreter der Fachabteilungen
  • 60 % der Vertreter der Personalabteilungen

Über die Studie

Für die Studie befragte das Marktforschungsunternehmen respondi im Auftrag der viasto GmbH, dem nach eigenen Angaben Markt- und Innovationsführer für Video-Recruiting Lösungen, 1.049 Arbeitnehmer im Alter von 18-69 Jahren, die im Jahr 2018 ein Vorstellungsgespräch geführt hatten. Die Teilnehmer verfügen über einen akademischen Hintergrund und sind in ganz Deutschland zu Hause. Die Umfrage wurde im November/Dezember 2018 durchgeführt.

Quelle: viasto GmbH