24. Juni 2019

Befristete Beschäftigung 2018

Nach Information des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben die Zahl der befristeten Verträge und der Anteil befristeter Beschäftigungen an der Gesamtheit der Beschäftigungsverhältnisse im vergangenen Jahr mit etwa 3,2 Millionen bzw. 8,3 Prozent einen neuen Rekordwert seit Beginn der bundesweiten Betriebserhebung im Jahr 1996 erreicht. Seinerzeit waren das noch rund 2 Millionen weniger Verträge bzw. ein Anteil von nur 3,9 Prozent.

Zudem erfolgten, wie auch in den vergangenen Jahren, mehr als vier von zehn Einstellungen (44,1 Prozent) zunächst auf der Basis befristeter Verträge.

Übernahmechancen steigen

Allerdings, so die Forscher, steigen auch die Übernahmechancen in eine unbefristete Beschäftigung seit Jahren kontinuierlich an. So erreichte die Übernahmequote im Jahr 2018 mit 44,2 Prozent den höchsten Stand seit der ersten Messung im Krisenjahr 2009. Da lag der Wert noch bei nur 30 Prozent.

Der Anteil von Personalabgängen nach dem Ende befristeter Verträge hat sich dagegen gegenläufig entwickelt. Und zwar von 37 Prozent im Jahr 2009 auf etwa konstant 25 Prozent seit dem Jahr 2016.

Die verbesserten Übernahmechancen zeigen sich auch bei einem Blick auf die Art der Personalabgänge aus befristeter wie unbefristeter Beschäftigung insgesamt. Während danach im vergangenen Jahr lediglich 11,1 Prozent aller Abgänge auf das Auslaufen befristeter Verträge zurückzuführen waren, haben nämlich die Abgänge durch Kündigung der Arbeitnehmer mit 43,4 Prozent ebenfalls den höchsten Wert seit 1996 erreicht.

Wie es aussieht, stellt sich derzeit in vielen Betrieben also weniger die Frage wie Personal möglichst komplikationslos freigesetzt, sondern wie es rekrutiert und gehalten werden kann.

Motive der Befristung

Befragt nach dem jeweils wichtigsten betrieblichen Motiv für den Einsatz befristeter Beschäftigung gaben die Arbeitgeber an:

  • 36,7 % die Prüfung der Eignung
  • 18,1 % einen begrenzten Ersatzbedarf
  • 13,1 % einen zeitlich begrenzten Mehrbedarf
  • 11,9 % die unsichere wirtschaftliche Perspektive
  • 9,1 % die begrenzte Finanzierung der Stelle
  • 1,7 % die Erreichung einer höheren Motivation
  • 9,4 % Sonstiges

Im Fokus

Ohne Sachgrund befristet waren im letzten Jahr etwa 1,8 Millionen Verträge, also mehr als jeder zweite befristete Vertrag. Das entsprach einem Zuwachs von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als dem Dreifachen seit 2001.

Genau solche Verträge stehen im Fokus der politischen Debatte um befristete Arbeitsverträge. So beziehen sich zwei der drei Maßnahmen, die seinerzeit im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien zum Thema Befristungen vereinbart wurden, ausschließlich auf die sachgrundlose Befristung.

Vorgesehen ist, den Anteil sachgrundloser Befristungen bei Arbeitgebern mit mehr als 75 Beschäftigten auf 2,5 Prozent der Beschäftigten zu beschränken und die Höchstdauer sachgrundloser Befristung von bisher 24 auf 18 Monate zu verkürzen. Die dritte Maßnahme, eine individuelle Höchstbefristungsdauer beim selben Arbeitgeber von fünf Jahren einzuführen, soll sich dagegen auf Befristungen mit und ohne Sachgrund auswirken.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung